Ein Besuch auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein

Der Möbelhersteller und Ladeneinrichter Vitra hat seit 1981 seine Hauptproduktionsstätte in Weil am Rhein. Bekannt geworden durch die Umsetzung und Verbreitung von Möbeln vieler namhafter Designer, lädt das Unternehmen mit Baukunst und eigenen Museen »Besucher aus aller Welt zum Verweilen ein«. Wir waren dort.

Weil am Rhein und das nahegelegene Basel

Knapp 30.000 Einwohner zählt die Stadt Weil am Rhein, die im Dreiländereck zwischen der Schweiz und Frankreich liegt. Die beschauliche Stadt ist nicht sonderlich reizend und hat neben dem Vitra Museum auch keine weiteren wirklich empfehlenswerten Anlaufpunkte. Übertritt man die Grenze in die Schweiz, sieht das im nahegelegenen Basel (Fahrzeit rund 20 Minuten) ganz anders aus. Mit der »Fondation Beyeler« und dem »Museum Tinguely« gibt es hier schon zwei gelungene Orte, die einen Besuch wert sind.

Der Vitra Campus: Eine Kulturstätte

Zurück zum Vitra Campus: Als wir an einem späten Sommerabend am Vitra Campus vorbeifahren, sind dort Menschenscharen zu beobachten, die gemeinsam auf einer Wiese Zeit miteinander verbringen. Sie stehen zusammen und sitzen auf Stühlen, designt von Verner Panton, hergestellt von Vitra. Zu Musik und Getränken vergnügt sich hier Jung und Alt aus der Umgebung bis in die späten Stunden, wie in einem Stadtpark einer großen Metropole. Und eigentlich nicht wie auf dem Fabrikgelände eines größeren mittelständischen Unternehmens. Eigentlich nicht.

Vitra Design Museum: Design und Architektur angenehm ungezwungen

Am nächsten Tag starten wir die Besichtigung des kompletten Campus. Wir beginnen mit einem Besuch im »Vitra Design Museum«. Steht man vor dem Haus sticht einem die Architektur von Frank O. Gehry sofort ins Auge. Das Haus beeindruckt mit einem skulpturalen Außenbild, es ist außen auf weißen Putz beschränkt und wirkt beim ersten Anblick zeitlos und charmant zugleich. Der Bau wird dem Dekonstruktivismus zugeordnet.

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Das „Vitra Design Museum“. (Bild: Bettina Matthiessen, ©Vitra)
Die Ausstellung "Together - Die Neue Architektur der Gemeinschaft". (Bild: Mark Niedermann, ©Vitra Design Museum)
Die Ausstellung „Together – Die Neue Architektur der Gemeinschaft“. (Bild: Mark Niedermann, ©Vitra Design Museum)

Im Museum selber gibt es die Ausstellung »Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft« zu besichtigen. Hier werden Ansätze zu gemeinschaftlichen Wohn- und Baukonzepten aus der ganzen Welt präsentiert. Das wird angenehm ungezwungen aufgemacht. Die Macher des Museums schaffen es, einen Gesamteindruck zu vermitteln, der kein Richtig oder Falsch vorgibt. Das zeigt auch die inhaltliche Ausrichtung des Museums, das nicht zur Firma Vitra gehört, sondern unter einer gleichnamigen Stiftung läuft. Die Themen der Ausstellung streifen die Firma Vitra  nur hin und wieder und bewegen sich inhaltlich immer in den Welten von Design und Architektur.

Die Ausstellung "Together - Die Neue Architektur der Gemeinschaft". (Bild: Mark Niedermann, ©Vitra Design Museum)
Die Ausstellung „Together – Die Neue Architektur der Gemeinschaft“. (Bild: Mark Niedermann, ©Vitra Design Museum)

Weiter geht es mit einer vom Museum organisierten Führung über das komplette Gelände. Es ist die einzige Möglichkeit die Produktionsstätte von Vitra und einige andere Bauten von innen zu sehen, so kommt man auch in die interessanten Ecken der berühmten Feuerwehrwache von Zaha Hadid nur mit einer Führung.

Feuerwache von Zaha Hadid. (Bild: Thomas Dix, ©Vitra)

Der Museumsführer erklärt in knapp zwei Stunden viel zu den Gebäuden auf dem kompletten Campus, aber auch zu Vitra als Firma. Man merkt, dass er als Mitarbeiter des Museums unterwegs ist. Manche Fakten belegt er mit Quellen außerhalb der Firma und weist dabei ganz klar auf seine Position hin. Der Kopf hinter Vitra – der Firma und dem Museum – Rolf Fehlbaum (Chef von Vitra von 1977 bis 2013) ist bei der Kommunikation rund um die Firma sehr zurückhaltend, sagt er. Die Führung ist, nicht nur wegen der exklusiven Zugänge zu Gebäuden, jedem Besucher ans Herz zu legen. Wer nicht nur optisch ein Gefühl zum Campus bekommen will, bekommt hier weiterführende Informationen. Der Fokus liegt hierbei auf der Architektur des Geländes und der Geschichte des »Vitra Campus«.

Vitra Schaudepot: Die Verbindung von Museum und Stuhlhersteller

Nach einer Pause in einem der eigenen Cafés geht es ins Schaudepot. Dort hat das Design Museum die wichtigsten Stücke seiner Möbelsammlung, hauptsächlich Stühle, ausgestellt. Das Schaudepot ist die Verbindung von »Design Museum« und der Firma Vitra. Während das Museum, auch wegen seiner inhaltlich weitreichenderen Ausstellungen, auch überall sonst stehen könnte, erkennt man hinter der Sammlung von über 7000 Möbeln das Unternehmen Vitra. Die Dauerausstellung der vielen Möbel zeigt die Geschichte und Entwicklung von Produkten vieler berühmter Designer. Es macht Spaß die Stühle als Kunstobjekte ausgestellt zu sehen und sie wie ein Bild in einem Museum zu betrachten. Im Keller ist das Büro von Charles und Ray Eames nachgestellt und Verfahren zur Herstellung von Möbeln werden erklärt, ein Blick durch eine Scheibe in den kompletten Fundus der Sammlung verrät, wie weitreichend sie ist.

Das Schaudepot von Außen, Architektur von Herzog & de Meuron.
Das Schaudepot von Außen, Architektur von Herzog & de Meuron. (Bild: ©Vitra Design Museum)
Die Dauerausstellung des Vitra Schaudepot. (Bild: Mark Niedermann, ©Vitra Design Museum)
Die Dauerausstellung des Vitra Schaudepot. (Bild: Mark Niedermann, ©Vitra Design Museum)
Dee Blick in die Sammlung . (Bild: Mark Niedermann, ©Vitra Design Museum)

Vitra Haus: Der Verkaufsraum der Marke

Vorbei am Rutschturm geht es zum »Vitra Haus«, dem Ladenverkauf der Marke. Auch hier ist die Architektur vom Feinsten. Wer die Möbel des Herstellers mag, wird an den meist geschmackvoll eingerichteten Arbeits- und Wohnräumen gefallen finden. Der Verkaufsraum ist geschmückt mit vielen Büchern zu und von Designern, die man beim Probesitzen der Stühle durchblättern kann. Das »Lounge Chair Atelier«, ein nochmal gesonderter Raum im Gebäude, beschäftigt sich nur mit dem gleichnamigen Design-Klassiker von Charles und Ray Eames.

Der Verkaufsraum "Vitra Haus". (Bild: ©Vitra)
Der Verkaufsraum „Vitra Haus“. (Bild: ©Vitra)
Das »Lounge Chair Atelier«. (Bild: ©Vitra)
Das »Lounge Chair Atelier«. (Bild: ©Vitra)

Nach einem Tag auf dem »Vitra Campus«, angekommen beim »Vitra Haus«, wird einem erst wieder richtig bewusst, dass man sich auf der Produktionsstätte eines kommerziellen Herstellers befindet.

Auf dem »Vitra Campus« gibt es eine Menge zu sehen. Fans von anspruchsvoller Architektur und gutem Design kommen hier definitiv auf Ihre Kosten. Rolf Fehlbaum bezeichnete seine Firma als »kulturell-wirtschaftliches Projekt«. Als Besucher seines »Vitra Campus« daran teilzuhaben, ist mindestens empfehlenswert.

Webseite des „Vitra Campus“

Titelbild ganz oben: Mark Niedermann, ©Vitra Design Museum
Alle anderen Bilder von ©Vitra - www.vitra.com und ©Vitra Design Museum - www.design-museum.de