iPhone X: FaceID ist eine falsche Design-Entscheidung

Apple stellte sein neues Oberklasse-Smartphone »iPhone X« vor. Eines der ausschlaggebenden Features des Mobiltelefons ist FaceID. Diese Technologie ermöglicht, durch das Scannen des eigenen Gesichts, das Entsperren des Smartphones. Schon auf Apples Produktkeynote, der jährlichen Vorstellung der neusten Geräte, funktionierte das neue Feature bei der initialen Vorstellung nicht beim ersten Versuch.

Dabei hat Apple es sich natürlich nicht so einfach gemacht wie die Konkurrenz: Samsung stellte so eine Funktion schon vor geraumer Zeit vor und scheiterten damit grandios. Nicht nur, dass das Feature in der Umsetzung noch nicht ausgereift war, konnte es keiner Vorstellung von einem »sicher gesperrten« Mobiltelefon gerecht werden.

Um diese Zweifel im vornherein auszuschließen, hat Apple in der Präsentation einige Argumente vorgelegt. So soll der Fingerabdruckscanner TouchID in einem von 50.000 zufälligen Versuchen unzuverlässig sein. Die neue Funktion FaceID soll zwanzig mal so sicher sein und nur in einem von 1.000.000 Fällen unautorisierten Nutzern Zugriff auf das Handy geben. Zudem hätten sie sogar mit professionellen Maskenbildnern zusammengearbeitet, um die Sicherheit der Funktion zu überprüfen.

Die Technologie sollte sich auf den Nutzer fokussieren, nicht umgekehrt

Das ändert alles aber nicht den Alltag der Nutzer. Mit dem Fingerabdruckscanner war es mit einem Griff möglich, das Smartphone in den Hauptbildschirm zu bringen. Die Technologie funktionierte mit hoher Verlässlichkeit, war pfeilschnell und benötigte genau eine aktive Aktion: Das Auflegen eines Fingers auf den Sensor. Funktionierte dieser Vorgang nicht (was selten der Fall war) bekam der Nutzer ein haptisches Feedback der Taptic-Engine und probierte es durch erneutes Auflegen des Fingers nochmal. Im seltenen Fall, dass sich dies wiederholte,

wanderte er mit dem Finger nach oben auf den Bildschirm zur manuellen Code-Eingabe. Erst bei diesem Schritt wäre ein Blick auf das Smartphone nötig. Alle Schritte davor würden blind auf dem Tisch oder in der Hosentasche funktionieren, ohne das iPhone im Blickradius zu haben.

Anders mit dem neuen Sensor. FaceID funktioniert nur, wenn das iPhone im angesprochenen Blickradius, rund um das Gesicht, lokalisiert ist. Das macht das Entsperren auf dem Weg aus der Tasche in die Nutzhaltung schon unmöglich. Auch das nun gedanklich zwei Schritte notwendig sind, das Entsperren mit FaceID und das Hochwischen vom Lockscreen, um in den Homescreen zu gelangen, macht FaceID nicht vorteilhafter.

Nah an der Perfektion ist nicht Perfekt

Dass ein Feature wie FaceID von Apple zeitlich deutlich nach der Konkurrenz kommt, gab es schon oft. Oftmals hat sich die Marke aus Kalifornien mehr Zeit gelassen, um am Ende ausgereiftere Funktionen auszuliefern als der Gesamtmarkt.

FaceID dem Fingerabdrucksensor vorzuziehen, bleibt aber, egal wie perfekt ausgeführt, eine falsche Design-Entscheidung.